BORY Jean François - EmporiumArt

BORY Jean François

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Jean-François Bory (Paris, 1938) ist ein französischer Dichter, bildender Künstler, Schriftsteller, Regisseur und Verleger und zählt zu den Hauptvertretern der visuellen und experimentellen Poesie der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Seine Arbeit überschreitet die Grenzen der traditionellen Literatur und verwandelt Buchstaben, Wörter, Bücher und Schreibmaschinen in kunstwerke. Mit typografischen Kompositionen, Collagen, Künstlerbüchern, Filmen und dreidimensionalen Objekten untersuchte Bory das Verhältnis zwischen Sprache und Bild. Seine verlegerische Tätigkeit, die er über Zeitschriften und internationale Publikationen ausübte, trug außerdem zur Verbreitung der europäischen poetischen Avantgarden und zur Wiederentdeckung des dadaistischen Erbes bei.

Ausbildung und erste literarische Erfahrungen

Jean-François Bory wird am 5. Februar 1938 in Paris geboren. Einen Teil seiner Kindheit verbringt er in Südostasien, wo er früh ein Interesse am Schreiben und Verlagswesen entwickelt. Während seiner Zeit in Vietnam gibt er noch in sehr jungen Jahren gemeinsam mit einigen Freunden eine handgeschriebene Literaturzeitschrift mit dem Titel L'Encrier heraus. Diese Erfahrung nimmt eine Tätigkeit vorweg, die für seine Laufbahn entscheidend werden sollte: die Veröffentlichung nicht nur als Mittel zur Verbreitung von Texten zu nutzen, sondern als eigenständigen Raum für künstlerische Experimente.

Zwischen 1958 und 1961 leistet er während des Algerienkriegs seinen Militärdienst. Nach seiner Rückkehr nach Frankreich nimmt er sein Studium wieder auf und ist auch im Informationswesen beruflich tätig. In den frühen sechziger Jahren kommt er nach und nach mit der experimentellen Poesie in Kontakt, zu einer Zeit, in der zahlreiche europäische Künstler die Trennung zwischen Schrift, bildender Kunst und Performance infrage stellen.

Die Entstehung der visuellen Poesie

Mitte der sechziger Jahre gibt Bory die Vorstellung von Poesie als bloßer Abfolge von Versen auf. Das Wort wird zu einem visuellen Element mit Form, Größe und einer Position im Raum. In seinen Kompositionen können Buchstaben wiederholt, isoliert, übereinandergelagert oder nach geometrischen Strukturen angeordnet werden. Die Seite ist nicht mehr nur die Fläche, auf der ein Text gelesen wird: Sie wird zu einer Fläche, die betrachtet werden soll. Diese Veränderung bringt Bory der konkreten Poesie näher, einer Ausdrucksform, bei der die Bedeutung auch aus der grafischen Anordnung der Wörter entsteht.

Seine Forschung behält jedoch eine stark konzeptuelle Komponente. L'Künstler beschränkt sich nicht darauf, Bilder aus Buchstaben zu schaffen, sondern reflektiert über die Funktionsweise der Kommunikation, die Grenzen der Sprache und die Konventionen, die das Lesen bestimmen.

Die ersten Ausstellungen und die arithmetischen Texte

1966 präsentiert Bory in der Number Ten Gallery in London eine Ausstellung zu seinen verbo-visuellen Experimenten. Zu den Arbeiten aus dieser Phase zählen die sogenannten arithmetischen Texte, in denen die Schrift systematisch angeordnet und verändert wird. Das Verhältnis zwischen Zeichen und Bedeutung wird instabil. Zahlen, Buchstaben und grafische Strukturen legen die Möglichkeit nahe, eine Sprache zu schaffen, in der die visuelle Komponente ebenso wichtig ist wie die verbale. L'häufige Verwendung von Schwarz und Weiß unterstreicht die Strenge der Kompositionen und lenkt die Aufmerksamkeit auf die Beziehungen zwischen den Elementen.

Künstlerbücher und Once Again

Einer der wichtigsten Bereiche in Borys Schaffen ist das Künstlerbuch. Seit den sechziger Jahren gestaltet er Publikationen, in denen Format, Layout, Seitenfolge und grafische Struktur zu wesentlichen Bestandteilen des Werks werden. 1968 veröffentlicht er in New York Once Again, eine Anthologie über internationale Experimente mit visueller Poesie. Der Band dokumentiert eine Tradition, zu der Kalligramme, dadaistische Experimente und die Forschungen der zeitgenössischen Avantgarden gehören. Bory versteht das Buch als ein Instrument, das Sprache bewahren und zugleich verändern kann.

Der Leser folgt nicht einfach einem Text, sondern durchläuft eine Abfolge von Bildern, Zeichen und typografischen Konstruktionen. Diese Aufmerksamkeit für die Materialität der Publikation begleitet den Künstler während seiner gesamten Laufbahn.

Approches, Agentzia und L'Humidité

Bory spielt eine wichtige Rolle beim Aufbau internationaler Netzwerke für experimentelle Poesie. Mit Julien Blaine gründet er die Zeitschrift Approches, die in der zweiten Hälfte der sechziger Jahre erscheint. Außerdem arbeitet er mit Jochen Gerz am Verlagsprojekt Agentzia zusammen. Zwischen 1970 und 1975 entwickelt er die Zeitschrift L'Humidité, die zu einem Forum für den Austausch zwischen Dichtern, Künstlern und Theoretikern der Avantgarden wird. Diese Publikationen sind nicht nur Informationsmittel. Durch die Auswahl der Materialien, die grafische Gestaltung und den Seitenaufbau sind sie unmittelbar an der künstlerischen Forschung beteiligt.

L'attività editoriale di Bory contribuisce a mettere in relazione esperienze sviluppate in Francia, Italia, Belgio, Germania e Stati Uniti.

Lautpoesie und experimentelles Kino

Parallel zu seinen visuellen Experimenten interessiert sich Bory für die Lautpoesie, bei der die Stimme und die akustische Dimension zu eigenständigen Elementen werden. Er nimmt an internationalen Veranstaltungen teil, die neuen Formen der performativen Poesie gewidmet sind. 1967 dreht er den experimentellen Film Saga, in dem er die Möglichkeiten der Sprachverwandlung durch bewegte Bilder vertieft. Der Film zeugt vom Interesse des Künstlers am Übergang von der Seite in den Raum und in die Zeit des Kinos. Die Buchstaben sind nicht mehr unbedingt unbeweglich.

Sie können als bewegte Formen wahrgenommen werden, die neue visuelle Beziehungen schaffen.

Raoul Hausmann und die Wiederentdeckung des Dadaismus

1972 veröffentlicht Bory Raoul Hausmann et Dada à Berlin, das einem der Protagonisten des Dadaismus gewidmet ist. Die Arbeit trägt zur Wiederentdeckung eines Künstlers bei, der für die Geschichte der Fotomontage, der Lautpoesie und des interdisziplinären Experimentierens von grundlegender Bedeutung ist. Die Auseinandersetzung mit dem Erbe des Dadaismus ist besonders wichtig. Bory erkennt in den historischen Avantgarden einen Vorläufer seiner eigenen Sprachforschung. Wie die Dadaisten stellt er die Konventionen der Kommunikation infrage und verwendet alltägliche Materialien, um neue Ausdrucksformen zu schaffen.

Seine Arbeit besteht jedoch nicht in der bloßen Wiederholung vergangener Erfahrungen: Er verarbeitet sie mithilfe der Sprachen und Technologien der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts neu.

Schreibmaschinen als kunstwerke

Zu den charakteristischsten Objekten in Borys Schaffen zählen die umgebauten Schreibmaschinen. L'artista interviene su uno strumento tradizionalmente destinato alla produzione del testo, sottraendolo alla sua funzione pratica. Nell'opera L'éternité del 1975, la macchina per scrivere assume un valore simbolico legato alla permanenza della parola e alla trasformazione dell'oggetto. La macchina non è più soltanto un dispositivo tecnico. Diventa una scultura che invita a riflettere sul rapporto tra scrittura, memoria e comunicazione. Negli anni successivi Bory sviluppa ulteriormente questa ricerca, realizzando anche oggetti rivestiti d'oro in collaborazione con l'editore e collezionista Francesco Conz.

Collage, Grafik und digitale Experimente

Das Schaffen des Künstlers umfasst außerdem Collagen, Fotomontagen, Zeichnungen und grafische kunstwerke. Die Kompositionen können gedruckte Buchstaben, fotografische Bilder und Verlagsmaterialien kombinieren. Bory nutzt diese Elemente, um die Beziehungen zwischen Information und Darstellung zu verändern. In den 1990er-Jahren interessiert er sich auch für die Möglichkeiten digitaler Technologien. 1998 trägt er zur Entstehung des Multimedia-Projekts Son@rt bei, das der Verbreitung und Bewahrung experimenteller Forschung gewidmet ist. LDie Aufmerksamkeit für neue Werkzeuge zeigt die Kontinuität einer Forschung, die Sprache als ein System in ständigem Wandel betrachtet.

LDas künstlerische Erbe

Jean-François Bory entwickelte eine Laufbahn, die Poesie, Verlagswesen, Film, Grafik und Bildhauerei umfasst. Sein Werk zeigt, wie Schrift und Bild zu Teilen einer einzigen künstlerischen Sprache werden können. Künstlerbücher und verbo-visuelle Kompositionen sind ein wichtiger Beitrag zur Geschichte der experimentellen Poesie. Umgebaute Schreibmaschinen und dreidimensionale Objekte erweitern diese Forschung zusätzlich und zeigen, wie Kommunikationsmittel selbst zu künstlerischen Sujets werden können.

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