COTANI Paolo

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Paolo Cotani (Rom, 1940–2011) ist eine bedeutende Persönlichkeit der italienischen Analytischen Malerei, einer Forschungsrichtung, die in den 1970er-Jahren die Aufmerksamkeit vom dargestellten Bild auf die materiellen Bedingungen der Malerei verlagerte. In seinen Arbeiten ist der Bildträger keine neutrale Fläche: Er wird bedeckt, durchquert, unter Spannung gesetzt und in eine physische Präsenz verwandelt. Mit den Werkgruppen Elastische Bandagen und Spannungen sowie Verfahren des Auslöschens und der Schichtung untersucht Cotani die Grenze zwischen Bild und Objekt und zeigt, wie Malerei zu einem sichtbaren Prozess werden kann.

Die Ausbildungsjahre zwischen Rom, Paris und London

Cotani wird 1940 in Rom geboren und zeigt früh Interesse an der Malerei. Er besucht Kurse in der Villa Medici und kommt mit Achille Perilli und Gastone Novelli in Kontakt. Die Auseinandersetzung mit diesen Künstlern bringt ihn einer Auffassung des Kunstwerks näher, die frei von den Zwängen der traditionellen Darstellung ist. Auf Reisen nach Paris besucht er Museen und Sammlungen zu den Avantgarden und vertieft sich in Fragen der Form, des Bildträgers und der Bildkonstruktion.

1964 zieht er nach London, wo er bis 1970 bleibt. Auch dank seiner Kontakte zum Architekturhistoriker Joseph Rykwert unterrichtet er Techniken der historischen Avantgarden an der Colchester School of Art. LDie Erfahrung in England ermöglicht es ihm, sich mit einem internationalen Umfeld auseinanderzusetzen, in dem die Beziehung zwischen Malerei, Objekt und materieller Experimentierfreude im Mittelpunkt der Debatte steht. 1968 zeigt er während eines Aufenthalts in Rom eine Einzelausstellung in der Galerie Il Ferro di Cavallo, begleitet von einem Text Perillis: ein wichtiger Schritt zur öffentlichen Profilierung seiner künstlerischen Forschung.

Die Analytische Malerei und die Materie des Bildes

Nach seiner dauerhaften Rückkehr nach Rom Anfang der 1970er-Jahre tritt Cotani mit Giorgio Cortenova und Filiberto Menna in Kontakt, einem für die theoretische Ausarbeitung der Analytischen Malerei besonders wichtigen Kritiker. Diese Richtung bezeichnet keinen einheitlichen Stil, sondern ein Bündel von Forschungsansätzen, die der Wunsch verbindet, die konstitutiven Elemente des Malens zu hinterfragen: Farbe, Geste, Bildträger, Werkzeuge und Verfahren. In diesem Zusammenhang entwickelt Cotani eine eigenständige Position, indem er die Auseinandersetzung mit der Oberfläche in eine offen physische Dimension überführt.

Die Leinwand kann bedeckt oder zusammengedrückt werden, während hinzugefügte Materialien ihr Relief und ihre Wahrnehmung verändern. LDas Kunstwerk bietet nicht nur ein frontal zu betrachtendes Bild: Es macht seine eigene Struktur deutlich und nimmt mit einer materiellen Beschaffenheit, die es der Skulptur annähert, Raum ein. Das bei seiner Herstellung angewandte Verfahren bleibt nicht verborgen, sondern wird Teil seiner Bedeutung.

Elastische Binden: Verdecken, um sichtbar zu machen

Mitte der 1970er-Jahre entwickelt Cotani den Zyklus der Elastischen Binden, in dem auf der Oberfläche angebrachte Binden das Verhältnis zwischen dem Sichtbaren und dem Verborgenen verändern. Die Binde ist kein dem Gemälde hinzugefügtes Ornament, sondern ein strukturelles Element, das den Bildträger physisch verändert und seine Wahrnehmung beeinflusst. Ihre Präsenz kann Schutz, Begrenzung oder Verdeckung vermitteln, doch entscheidend ist die Spannung, die sie zwischen Material und Bild erzeugt.

Ein verwandtes Prinzip zieht sich durch die kunstwerke, die auf Auslöschung beruhen. Ein Bild zu verbergen oder zu reduzieren bedeutet nicht einfach, es zu zerstören: Es kann zur Methode werden, eine neue Präsenz zu schaffen, in der die Abwesenheit selbst an Bedeutung gewinnt. In beiden Fällen lädt Cotani den Betrachter ein, das zu beachten, was normalerweise außerhalb der Darstellung bleibt, nämlich den Prozess, durch den das Bild Gestalt annimmt.

Die Spannungen und der Dialog mit der Skulptur

Im Zyklus der Spannungen wird das Verhältnis zwischen entgegengesetzten Kräften zu einem echten Kompositionsprinzip. Zugbeanspruchte Materialien verändern die Oberfläche und können sie über die Ebene hinausdrängen, wodurch das Kunstwerk eine dreidimensionale Dimension erhält. Die Spannung wird also nicht nur durch Zeichnung oder Farbe angedeutet: Sie existiert konkret in der Struktur der Arbeit.

Diese Suche setzt sich auch in den folgenden Jahrzehnten fort, durch den Einsatz von Acryl, Wachs, elastischen Binden und Metallstrukturen. Trotz wechselnder Techniken und Materialien bewahrt Cotani eine bemerkenswerte Konsequenz: Sein Interesse gilt stets der Frage, wie ein Kunstwerk entsteht und sich im Raum präsentiert. Auch die Arbeiten auf Papier sind Teil dieser Untersuchung und konzentrieren sich auf die Beziehungen zwischen Zeichen und Struktur; bei ihrer Katalogisierung muss dennoch zwischen Originalzeichnungen, etwaigen Drucken und Reproduktionen unterschieden werden.

Ausstellungen und internationale Anerkennung

Cotanis künstlerische Forschung erlangt bei wichtigen Veranstaltungen Aufmerksamkeit. 1974 nimmt er an Präsenzen und Tendenzen in der jungen italienischen Kunst an der Triennale in Mailand teil; im Jahr darauf stellt er in der von der Galerie Bertesca organisierten Ausstellung Analytische Malerei aus und zeigt die Elastischen Binden bei der Biennale von Paris. 1977 nimmt er an der Documenta 6 in Kassel teil, 1979 folgt eine Einzelausstellung im Palazzo dei Diamanti in Ferrara. Diese Gelegenheiten belegen, dass sein Werk in die europäische Auseinandersetzung mit den neuen Möglichkeiten der Malerei eingebunden ist.

Cotani arbeitet und stellt in den folgenden Jahrzehnten bis zu seinem Tod am 9. Januar 2011 in Rom weiter aus. Sein Vermächtnis liegt vor allem darin, gezeigt zu haben, dass das Bild nicht nur als Ort des Bildes verstanden werden muss: Oberfläche, Materialien und physische Kräfte können zu Protagonisten einer eigenständigen malerischen Forschung werden.

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