SANFILIPPO Antonio

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Antonio Sanfilippo (Partanna, 1923 – Rom, 1980) war einer der Protagonisten der italienischen Abstraktion der Nachkriegszeit. Seine Malerei schuf ein Universum aus kleinen Zeichen, beweglichen Strukturen und Farbrhythmen, in dem die Oberfläche keine Gegenstände darstellt, sondern Spannungen und Beziehungen festhält. Bei der Betrachtung seiner kunstwerke hat man oft das Gefühl, vor einer unbekannten Schrift zu stehen: einer Sprache, die nicht in Worte übersetzt werden muss, denn ihre Bedeutung entsteht aus der Bewegung der Formen selbst.

Rom und die Ära von Forma 1

Nach seiner künstlerischen Ausbildung auf Sizilien ließ sich Sanfilippo in Rom nieder und beteiligte sich an der Aufbruchstimmung nach dem Zweiten Weltkrieg. 1947 gehörte er gemeinsam mit Künstlern wie Carla Accardi, Pietro Consagra, Piero Dorazio, Achille Perilli und Giulio Turcato zu den Unterzeichnern des Manifests von Forma 1. Die Gruppe trat für die Möglichkeit ein, eine progressive politische Ausrichtung mit der Freiheit abstrakter Forschung zu vereinbaren, in einer Zeit, in der die italienische Debatte oft Realismus und Nichtgegenständlichkeit einander gegenüberstellte.

Für Sanfilippo war diese Entscheidung nicht nur theoretischer Natur. Die Darstellung aufzugeben bedeutete, die Malerei anhand ihrer wesentlichen Elemente zu hinterfragen: Farbe, Zeichen, Verteilung der Formen, Verhältnis von Leere und Fülle. Seine frühen Arbeiten zeigen eine Gestaltung, die den Geometrien der Nachkriegszeit noch nahesteht; nach und nach wird seine Sprache jedoch freier und persönlicher. Die Kompositionen verlieren an Starrheit, während sich kleine Elemente auf der Oberfläche verdichten und zerstreuen.

Das Zeichen als lebender Organismus

Das prägnanteste Merkmal seiner reifen Phase ist ein Geflecht aus kurzen Zeichen, Kurven, Fragmenten und Farbkernen, die sich im Raum zu bewegen scheinen. Es sind keine Buchstaben im traditionellen Sinn, auch wenn sie an solche erinnern. Es sind visuelle Einheiten, die durch ihre gegenseitigen Abstände, ihre Wiederholung und Variation an Bedeutung gewinnen. Ein dichter Bereich kann neben einem fast leeren Feld bestehen; eine rhythmische Abfolge kann plötzlich abbrechen und dem Blick die Aufgabe überlassen, ein Gleichgewicht wiederherzustellen.

Die Nähe zu einigen Strömungen des europäischen Informel hebt die Eigenständigkeit seines Werks nicht auf. Sanfilippo überlässt nicht alles der impulsiven Geste: Oft gestaltet er die Oberfläche mit äußerst kontrolliertem kompositorischem Gespür. Die Farbe, mal intensiv und kontrastreich, mal zurückhaltender, füllt nicht einfach die Umrisse, sondern bestimmt den Atemrhythmus des Bildes. L’opera entsteht aus dem Zusammenspiel von scheinbarer Spontaneität und Struktur.

Werke auf Papier und grafische Forschung

Zeichnung und Grafik sind bevorzugte Mittel, um sich seiner Bildsprache zu nähern. Auf dem Blatt kann sich die Linie besonders unmittelbar zeigen und verdeutlichen, wie eine kleine Veränderung der Richtung oder Stärke den Rhythmus des Ganzen verändert. Bei den kunstwerke im Druck ist es entscheidend, die tatsächlich verwendete Technik zu bestimmen: Lithografie, siebdruck und Radierung beruhen auf unterschiedlichen Verfahren und dürfen nicht automatisch anhand des Erscheinungsbilds des Bildes zugeordnet werden.

Für eine korrekte Katalogisierung sind die Signatur, eine etwaige Nummerierung, die Maße des Blatts und des Bildes, der Verlag und die Dokumentation wichtig. Die historische Bedeutung seiner Forschung geht jedoch über die einzelne Technik hinaus. Sanfilippo trug den Nachweis, dass abstrakte Malerei über eine starke Ausdruckskraft verfügen kann, ohne sich auf Erzählungen zu stützen: Die Oberfläche wird zu einem sinnlichen Raum, durchzogen von Zeichen, die ein Eigenleben zu besitzen scheinen.

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