FROHNER Adolf - EmporiumArt

FROHNER Adolf

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Verformte Körper, dichte Oberflächen und kraftvolle Zeichen kennzeichnen das Schaffen von Adolf Frohner, einer zentralen Figur der österreichischen Kunstszene in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Frohner steht den Anfängen des Wiener Aktionismus nahe, wendet sich jedoch bald von der Aktion als bevorzugter Ausdrucksform ab und entwickelt vor allem Malerei und Zeichnung weiter. Der menschliche Körper bleibt jedoch im Zentrum einer intensiven Auseinandersetzung, die von Themen wie Verletzlichkeit, Gewalt und psychischer Spannung geprägt ist.

Die Anfänge und die Aktionismus-Erfahrung

Frohner wird am 12. März 1934 in Groß-Inzersdorf in Niederösterreich geboren und zieht 1952 nach Wien. Er studiert Werbegrafik, arbeitet auch als Kunstkritiker und bildet sich weitgehend autodidaktisch in der Malerei aus. Als Gasthörer besucht er einige Kurse an der Akademie der bildenden Künste Wien, darunter Herbert Boeckls Aktzeichenunterricht. Nach einer anfänglichen Auseinandersetzung mit Cézanne, Picasso und Léger wendet er sich dem Tachismus und der gestischen Malerei zu und interessiert sich für die Materialität und Spontaneität des Eingriffs auf der Bildfläche.

1961 erhält er ein UNESCO-Stipendium, das ihm einen Aufenthalt in Paris ermöglicht. Dort kommt er mit den Nouveaux Réalistes und dem Umfeld von Pierre Restany in Kontakt und vertieft seine Beschäftigung mit den Ausdrucksmöglichkeiten von Gegenständen und Alltagsmaterialien. LIm folgenden Jahr beteiligt er sich gemeinsam mit Hermann Nitsch und Otto Muehl an einer Kollektivaktion im Zusammenhang mit dem Manifest Blutorgel, die zu den frühen Ereignissen des Wiener Aktionismus zählt. LDie Aktion, der Körper und die Materie werden zu Mitteln, um die Konventionen von Kunst und Gesellschaft infrage zu stellen.

Frohner bleibt jedoch nicht dauerhaft innerhalb der Bewegung. Er konzentriert seine Forschung lieber auf Malerei und Zeichnung und bewahrt aus der Aktionismus-Erfahrung die Intensität der Geste und die Aufmerksamkeit für Körperlichkeit. Seine Bildsprache wendet sich wieder der Figur zu, ohne ein klassisches Schönheitsideal oder eine beruhigende Darstellung wiederaufzugreifen.

Die Figur und die Malmaterie

In seinem reifen Schaffen finden sich Körper, Akte und weibliche Figuren, die von Verformungen, Spannungen und oft unbequemen Haltungen geprägt sind. Die Figuren wirken mitunter im Raum zusammengedrängt, von gebrochenen Linien durchzogen oder in eine vielschichtige Malmaterie eingebettet. Der Körper wird so zum Ort, an dem sich Verletzlichkeit und Konflikte zeigen, während die Verformung einen expressiven und nicht einfach nur formalen Wert erhält.

Frohn ers Malerei entsteht durch Kontraste, prägnante Zeichen und dichte Oberflächen. Farbe und Material haben keine dekorative Funktion: Sie machen die Spannung des kreativen Prozesses spürbar. Auch die Zeichnung ist eine eigenständige Ausdrucksform, in der schnelle, markante oder fragmentierte Striche der Figur Bewegung und Intensität verleihen. Zum Werk gehören außerdem Arbeiten auf Papier und kunstwerke grafische Arbeiten; um ihre Techniken korrekt zu bestimmen, muss man zwischen Radierungen, Lithografien, Siebdrucken und Reproduktionen unterscheiden, ohne das Verfahren allein aus dem visuellen Eindruck abzuleiten.

Öffentliche Kunstwerke, Lehre und Anerkennung

Das Experimentieren mit Materialien erstreckt sich auch auf die Architektur. 1964 erhält Frohner den Auftrag, Sgraffito-Dekorationen in einer Wiener Wohnanlage anzufertigen: Bei diesem Verfahren werden Teile einer oberen Schicht abgetragen, um die darunterliegende sichtbar zu machen. Ler Eingriff zeigt sein Interesse an der Oberfläche als physischem Element und an der Beziehung zwischen Bild und Raum.

Seine Forschung erlangt internationale Sichtbarkeit durch die Teilnahme an der Biennale von São Paulo 1969 und an der Biennale von Venedig 1970. 1972 wird er zum Professor an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien ernannt und übernimmt 1985 die Leitung einer Malklasse. Lange Jahre begleitet die Lehrtätigkeit seine künstlerische Arbeit und trägt dazu bei, den neuen Generationen eine Bildauffassung zu vermitteln, die auf der Energie des Zeichens und der Präsenz des Körpers beruht.

Frohner stirbt am 24. Januar 2007 in Wien. Sein Werdegang, von den radikalen Experimenten der frühen 1960er-Jahre bis zur reifen figurativen Malerei, zeigt, dass sich auch innerhalb der traditionellen Ausdrucksformen von Malerei und Zeichnung eine starke expressive Spannung bewahren lässt.

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