FRAI Felicita - EmporiumArt

FRAI Felicita

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In der Malerei von Felicita Frai gewinnen die menschliche Figur und Alltagsgegenstände eine zurückhaltende Präsenz, die durch Zeichnung und ausgewogene Farbkompositionen entsteht. Ihre gegenständliche Malerei sucht keinen spektakulären Effekt, sondern ein Gleichgewicht zwischen der Festigkeit der Form und der Zartheit der Atmosphäre. Frai, in Prag geboren und vor allem in Italien tätig, entwickelt diese Bildsprache durch ihre Erfahrung mit dem Fresko, die Auseinandersetzung mit einigen bedeutenden Vertretern der Malerei des 20. Jahrhunderts und ihr stetiges Interesse an der Komposition.

Von Prag nach Italien: Ausbildung und Fresko

Felicita Frai wird am 20. Oktober 1909 in Prag unter dem Namen Felice Frajova geboren, als die Stadt noch zum Österreichisch-Ungarischen Reich gehört. Nach ihrer ersten Ausbildung zieht sie 1927 nach Italien und lässt sich zunächst in Triest nieder, wo sie Künstlerkreise besucht und Leonor Fini kennenlernt. In den Dreißigerjahren kommt sie nach Ferrara und vertieft ihre Ausbildung bei Achille Funi, einer zentralen Figur der italienischen Monumentalmalerei jener Zeit.

Neben Funi studiert sie vor allem das Fresko, eine Technik, bei der mit Wasser verdünnte Pigmente auf den noch feuchten Putz aufgetragen werden. Während des Karbonatisierungsprozesses verbindet sich die Farbe dauerhaft mit der Wand, was der Künstlerin eine sorgfältige Planung und genaue Arbeitszeiten abverlangt. Frai beteiligt sich an Dekorationsprojekten, darunter am Zyklus des Mythos von Ferrara im Rathaus. LDurch diese Erfahrung lernt sie, die Figur in Beziehung zur Architektur zu denken und die Zeichnung als tragende Struktur der Komposition einzusetzen: eine Disziplin, die auch in ihren Staffeleigemälden weiterhin zum Ausdruck kommt.

In den 1940er-Jahren besucht sie außerdem das Atelier von Giorgio de Chirico und vertieft ihre Auseinandersetzung mit der malerischen Tradition und der Gestaltung des Raums. Daraus folgt jedoch keine Hinwendung zur Metaphysischen Malerei: Frai verfolgt einen eigenen, überwiegend figurativen Weg, auf dem die Farbe zum Mittel wird, die Präsenz der Formen zu nuancieren.

Weibliche Figuren, Stillleben und Farbe

Die weibliche Figur nimmt in ihrem Werk eine herausragende Stellung ein. Frauen, junge Figuren und Porträts werden durch maßvolle Haltungen und Gesten beschrieben, ohne dass die Zeichnung die Körper erstarren lässt. Die oft zarten Farbtöne tragen zu einer zurückgenommenen Atmosphäre bei, während die Komposition jene strukturelle Klarheit bewahrt, die sich in der Wandmalerei herausgebildet hat. Neben den Porträts finden sich Stillleben, in denen die Gegenstände vor allem Anlass sind, Form-, Licht- und Farbverhältnisse zu untersuchen. LSo entsteht das Bild durch das Gleichgewicht seiner Teile und nicht durch den Willen, eine Begebenheit zu erzählen.

Zu ihrem Schaffen gehört auch die Verlagsillustration, ein Bereich, in dem die Zeichnung eine erzählerische Funktion übernimmt und sich mit dem geschriebenen Wort auseinandersetzt. Frai interessiert sich außerdem für den Kupferstich und kunstdrucke: Dabei ist es wichtig, Originalgrafik von Zeichnungen und Illustrationen zu unterscheiden, die mit Verlagsverfahren reproduziert wurden und nicht unbedingt originale Kunstdrucke sind.

Ausstellungen und Kontinuität der künstlerischen Suche

Frai nimmt 1938 und 1948 an der Biennale von Venedig teil. Nach dem Krieg lässt sie sich in Mailand nieder, tritt mit dem kulturellen Umfeld der Stadt in Kontakt und nimmt zwischen 1945 und 1954 an Ausgaben der Mailänder Triennale teil. Malerei, Dekoration und Illustration stehen in ihrer Laufbahn nebeneinander, ohne die Einheitlichkeit ihrer Ausdruckssprache zu beeinträchtigen. 2001 erhält sie den Ambrogino d’Oro, eine Auszeichnung, die auch ihre Verbundenheit mit Mailand unterstreicht.

Sie stirbt am 14. April 2010 in der lombardischen Stadt. Ihr Werk zeugt von der Beständigkeit einer Figuration, die sich erneuern kann, ohne auf handwerkliches Können, Zeichnung und Farbempfinden zu verzichten. Gerade in der ausgewogenen Balance, nicht im Streben nach aufsehenerregenden Effekten, zeigt sich die künstlerische Persönlichkeit von Felicita Frai.

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