ASIS Antonio

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Antonio Asis (Buenos Aires, 1932 – Paris, 2019) war einer der bedeutendsten Vertreter der kinetischen Kunst und der Op-Art in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. In Argentinien geboren und über sechzig Jahre in Paris tätig, widmete er seine künstlerische Forschung dem Verhältnis zwischen Farbe, Licht, Bewegung und visueller Wahrnehmung. Seine Werke sind an den konzentrischen Kreisen, geometrischen Gittern und optischen Schwingungen zu erkennen, die vollkommen unbewegte Flächen scheinbar zum Leben erwecken. Mit Gemälden, Reliefs, Metallstrukturen und grafischen Arbeiten erforschte Asis, wie Formen scheinbare Bewegung und Farbveränderungen erzeugen können. Seine Arbeit bezieht die Betrachtenden unmittelbar ein: Schon eine Bewegung vor einem Werk genügt, damit Linien und Farben sich scheinbar verändern und ein dynamisches, überraschendes Seherlebnis entsteht.

Antonio Asis: Biografie und künstlerische Ausbildung

Antonio Asis wurde 1932 in Buenos Aires geboren, in einer Zeit, in der sich in Argentinien eine Kunstszene entwickelte, die den europäischen Avantgarden besondere Aufmerksamkeit schenkte.

1946 begann er im Alter von vierzehn Jahren seine Ausbildung an der Escuela Nacional de Bellas Artes und setzte sein Studium später an der Escuela de Bellas Artes Prilidiano Pueyrredón fort.

Während seiner Ausbildung vertiefte er sich in Zeichnung, Komposition und die Prinzipien der geometrischen Bildorganisation.

Besonders wichtig war die Begegnung mit Héctor Cartier, einem Lehrer, der ihn mit den Theorien des Bauhauses und der Erforschung der Mechanismen visueller Wahrnehmung vertraut machte.

Diese Interessen entwickelten sich in einem äußerst lebendigen kulturellen Umfeld.

In den 1940er-Jahren war Buenos Aires eines der wichtigsten Zentren der lateinamerikanischen geometrischen Abstraktion. Die 1944 veröffentlichte Zeitschrift Arturo und die Erfahrungen der konkreten Kunst trugen dazu bei, eine Auffassung von Malerei zu verbreiten, die auf der Eigenständigkeit von Formen und Farben beruhte.

Asis wandte sich diesen Forschungen zu und entfernte sich zunehmend von der figurativen Darstellung.

Seine frühen Arbeiten griffen kubistische Einflüsse und geometrische Kompositionen auf, bis sich sein Interesse immer stärker auf die Wirkungen richtete, die durch das Zusammenspiel visueller Elemente entstehen.

Der Umzug nach Paris und die Begegnung mit der kinetischen Kunst

1956 zog Antonio Asis nach Paris, der Stadt, die zum Zentrum seiner künstlerischen Tätigkeit werden sollte.

Die französische Hauptstadt erlebte gerade eine entscheidende Phase in der Entwicklung der Op-Art und der kinetischen Kunst.

Im Jahr zuvor hatte die in der Galerie Denise René organisierte Ausstellung Le Mouvement einer neuen Auffassung des Kunstwerks internationale Sichtbarkeit verschafft, in der reale oder scheinbare Bewegung eine zentrale Rolle spielte.

In Paris kam Asis mit Künstlern wie Jesús Rafael Soto, Victor Vasarely, Yaacov Agam und Jean Tinguely in Kontakt.

Diese Begegnungen verstärkten sein Interesse an den dynamischen Möglichkeiten der Geometrie.

Malerei wurde nicht länger nur als Fläche verstanden, auf der unbewegliche Formen angeordnet werden.

Durch die Anordnung von Linien, Farben und übereinanderliegenden Strukturen kann ein Bild Wirkungen erzeugen, die sich je nach Standpunkt der Betrachtenden verändern.

So begann Asis, eine künstlerische Forschung zu entwickeln, die auf dem Verhältnis zwischen Werk und Wahrnehmung beruhte.

Bewegung muss nicht unbedingt durch einen Motor oder einen Mechanismus erzeugt werden.

Sie kann auch aus dem Zusammenspiel geometrischer Formen und des menschlichen Sehsystems entstehen.

Die frühen Werke und das Relief Linéaire von 1956

Eines der ersten bedeutenden Werke aus der Pariser Zeit ist Linéaire von 1956.

Das Werk markiert den Beginn von Asis’ Experimenten mit übereinanderliegenden Strukturen, die zu einem prägenden Merkmal seines Schaffens werden sollten.

Auch von den Forschungen Jesús Rafael Sotos beeinflusst, begann der Künstler, perforierte Metallgitter vor geometrischen Kompositionen einzusetzen.

Die Überlagerung zweier unterschiedlicher visueller Systeme erzeugt Interferenzeffekte.

Wenn sich die Betrachtenden bewegen, scheinen die Linien sich zu bewegen, einander anzunähern oder sich aufzulösen.

Das Werk bleibt physisch unbewegt, doch seine Wahrnehmung verändert sich fortwährend.

Diese Entdeckung wurde zu einem der grundlegenden Prinzipien von Asis’ künstlerischer Forschung.

Die Fläche wird nicht mehr als endgültiges Bild verstanden, das von jedem Blickpunkt aus gleich erscheint.

Vielmehr wird sie zu einem visuellen System, das unterschiedliche Erlebnisse hervorbringen kann.

Die Metallstrukturen führen zudem eine räumliche Dimension ein, die Asis’ Arbeit der Bildhauerei annähert.

Die Interférences concentriques: Bewegung durch Kreise

Ende der 1950er-Jahre entwickelte Antonio Asis eine der bedeutendsten Serien seiner Laufbahn: die Interférences concentriques.

Diese Werke entstehen durch die Wiederholung und Überlagerung konzentrischer Kreise.

In den frühen Kompositionen dominieren Schwarz und Weiß, die besonders starke Kontraste erzeugen.

Die kreisförmigen Linien scheinen sich auszudehnen, zusammenzuziehen oder miteinander zu interferieren.

Die Wirkung erinnert an Wellen, die entstehen, wenn mehrere Wassertropfen auf die Oberfläche eines Teichs fallen.

Wenn die Strukturen aufeinandertreffen, nimmt das Auge Schwingungen und Bewegungen wahr, obwohl sich die Formen tatsächlich nicht verschieben.

Der Künstler nutzt diese Wahrnehmungsinstabilität, um eine geometrische Komposition in ein dynamisches Erlebnis zu verwandeln.

Die Kreise stellen keine erkennbaren Gegenstände dar.

Sie sind eigenständige Elemente, die durch ihre gegenseitige Beziehung Bedeutung gewinnen.

Die Interférences concentriques zählen zu den bekanntesten Ausdrucksformen von Asis’ künstlerischer Haltung und zeugen von seiner Fähigkeit, mit einer äußerst präzisen Bildsprache komplexe Wirkungen zu erzielen.

Von Schwarz-Weiß zu polychromen Interferenzen

Nach den ersten monochromen Experimenten führte Antonio Asis nach und nach neue Farbkombinationen ein.

So entstanden die polychromen Interférences concentriques, in denen die Farbe eine zentrale Rolle spielt.

Die kreisförmigen Strukturen werden durch die Kombination unterschiedlicher Farbtöne angeordnet.

Rot, Blau, Grün, Gelb und andere Nuancen können Schwingungs- und Tiefenwirkungen hervorrufen.

Die Wahrnehmung einer Farbe hängt nicht allein von ihrem einzelnen Farbton ab, sondern auch von ihrem Verhältnis zu den benachbarten Farben.

In manchen Kompositionen scheinen die Linien neue Farbtöne hervorzubringen oder den Eindruck eines von der Fläche ausgehenden Leuchtens zu erzeugen.

Asis vertiefte diese Phänomene durch systematische Forschung.

Jede Veränderung des Abstands zwischen den Kreisen, der Linienstärke oder der Farbkombination verändert das visuelle Ergebnis.

So wird die Malerei zu einem Labor, das den Möglichkeiten der Wahrnehmung gewidmet ist.

Farbe dient nicht dazu, ein Motiv zu beschreiben, sondern wird selbst zum Hauptakteur des Werks.

Metallgitter und optische Schwingungen

Neben konzentrischen Kreisen schuf Antonio Asis zahlreiche Werke mit Gittern, Streifen und übereinanderliegenden geometrischen Strukturen.

In diesen Kompositionen, deren Titel häufig auf Schwingungen verweisen, wird eine Metallstruktur vor einem bemalten Hintergrund angebracht.

Der Abstand zwischen den beiden Ebenen trägt dazu bei, unterschiedliche visuelle Wirkungen hervorzurufen.

Betrachten die Betrachtenden das Werk von vorn, nehmen sie eine bestimmte Anordnung der Formen wahr.

Bewegen sie sich seitwärts, scheinen die Linien zu gleiten, sich zu vervielfachen oder zu verschwinden.

Die tatsächliche Tiefe der Struktur erzeugt so eine scheinbare Bewegung.

In manchen Werken verwendet Asis vertikale oder horizontale Streifen, in anderen setzt er Kreise, Quadrate und komplexere Kompositionen ein.

Das Prinzip bleibt die Interferenz zwischen geometrischen Systemen.

Die Fläche scheint von einer inneren Energie durchzogen, obwohl sie aus streng geordneten Elementen aufgebaut ist.

Diese Werke zählen zu Asis’ bedeutendsten Beiträgen zur kinetischen Kunst.

Die Cercles und die Géométries spatiales

Über die Jahrzehnte hinweg setzte Asis seine Forschung zu konzentrischen Kreisen in neuen Serien und Variationen fort.

Besondere Bedeutung haben dabei die Cercles und die Géométries spatiales.

In den Kompositionen dieser Werkgruppen wird das Verhältnis zwischen Form und Farbe so gestaltet, dass räumliche Tiefenwirkungen und virtuelle Bewegung entstehen.

Die Größe der Kreise, die Abstände zwischen den Linien und die Farbkombinationen verändern das Seherlebnis fortwährend.

Manche Werke scheinen Formen zu zeigen, die sich nach außen ausdehnen.

Andere erwecken hingegen den Eindruck eines Raums, der sich zur Mitte hin vertieft.

Besonders interessant ist, dass dieses Ergebnis aus einfachen geometrischen Elementen entsteht.

Asis zeigt, dass ein Kreis, der wiederholt und durch minimale Veränderungen abgewandelt wird, zum Ausgangspunkt eines äußerst komplexen Bildes werden kann.

Diese Forschung zieht sich durch einen großen Teil seiner Laufbahn und bestätigt sein anhaltendes Interesse an optischen Phänomenen.

Reale Bewegung und Werke zum Anfassen

Antonio Asis’ Schaffen beschränkt sich nicht auf optische Täuschungen.

In einigen Werken führt der Künstler Elemente ein, die tatsächlich in Bewegung versetzt werden können, und erweitert so das Erlebnis über die bloße Betrachtung hinaus.

Besonders wichtig sind seine Experimente mit Kugeln und tastbaren Strukturen, bei denen die Bewegung durch Berührung ausgelöst wird.

1968 präsentierte er in der Maison de la Culture in Grenoble die Installation Chambre-Ballon.

Das Werk umfasst große, an Federn befestigte Vinylkugeln, die schwingen und aufleuchten können, wenn sie berührt werden.

In diesem Fall verändern die Betrachtenden nicht nur ihre Position vor dem Werk.

Sie werden zu einem aktiven Teil des Kunsterlebnisses.

Die Bewegung entsteht unmittelbar aus der Interaktion zwischen Person und Objekt.

Diese Forschung erweitert die Bedeutung der kinetischen Kunst.

Wahrnehmung beschränkt sich nicht länger auf das Sehen, sondern bezieht auch den Körper und den Tastsinn ein.

Asis zeigt damit, dass ein Werk als offenes System konzipiert werden kann, in dem das Erlebnis der Betrachtenden dazu beiträgt, sein Ergebnis zu bestimmen.

Antonio Asis und die Groupe Position

1971 beteiligte sich Antonio Asis zusammen mit anderen in Paris tätigen argentinischen Künstlern an der Gründung der Groupe Position.

Zu den wichtigsten Mitgliedern der Gruppe gehörten Leopoldo Torres Agüero, Armando Durante, Hugo Demarco und Horacio García Rossi.

Die Initiative entstand aus dem Wunsch, die mit Op-Art und kinetischer Kunst verbundenen Forschungen zu vertiefen und zu fördern.

Die Künstler teilten ihr Interesse an Bewegung, Licht und den Möglichkeiten der Wahrnehmung, entwickelten jedoch jeweils eine eigene Bildsprache.

Die Groupe Position trug dazu bei, die Präsenz lateinamerikanischer Künstler in der europäischen Kunstszene zu stärken.

In den 1960er- und 1970er-Jahren war Paris ein bedeutendes Zentrum für zahlreiche Künstler aus Argentinien und Venezuela.

Neben Asis waren dort Künstler wie Julio Le Parc, Luis Tomasello, Carlos Cruz-Diez und Jesús Rafael Soto tätig.

Der Austausch zwischen diesen Positionen förderte die Entwicklung einer internationalen Kunst, in der Geometrie, Farbe und Bewegung eine zentrale Rolle spielten.

Die Groupe Position organisierte Ausstellungen in verschiedenen europäischen Ländern und trug dazu bei, diese Experimente bekannt zu machen.

Die Werke von Antonio Asis: Gemälde, Reliefs und grafische Arbeiten

Antonio Asis’ künstlerisches Schaffen umfasst Gemälde, Gouachen, Zeichnungen, Reliefs, Metallstrukturen und grafische Arbeiten.

Trotz der Vielfalt der Materialien zeichnet sich seine Forschung durch große Kontinuität aus.

Das Verhältnis zwischen geometrischer Form und Wahrnehmung bildet das grundlegende Prinzip, aus dem die unterschiedlichen Kompositionen hervorgehen.

In Gemälden und Kunstdrucken erforscht der Künstler vor allem die Möglichkeiten konzentrischer Kreise, chromatischer Abfolgen und rhythmischer Strukturen.

In den Gouachen der Serie Cercles concentriques etwa erzeugt die Anordnung der kreisförmigen Linien Schwingungen und Interferenzen, die die Stabilität des Bildes scheinbar verändern.

In den Reliefs hingegen führt das Vorhandensein von Metallgittern eine tatsächliche Tiefe ein und verändert so das Verhältnis zwischen Fläche und Betrachtenden.

Auch in den grafischen Arbeiten kehren die wichtigsten Elemente seiner Bildsprache wieder: Kreise, Streifen, Quadrate und Farbkombinationen, die optische Wirkungen hervorrufen.

Die Lithografien und anderen Kunstdrucke lassen erkennen, mit welcher Präzision Asis die Formen anordnet und die Beziehungen zwischen den Farben gestaltet.

Diese Vielfalt an Lösungen zeigt, dass seine Forschung nicht von einem einzigen Material abhängig ist.

Das grundlegende Prinzip bleibt die Möglichkeit, eine geometrische Struktur in ein dynamisches Bild zu verwandeln.

Ausstellungen und internationale Anerkennung

Antonio Asis’ Laufbahn war von einer regen internationalen Ausstellungstätigkeit geprägt.

1965 nahm er an der Ausstellung Licht und Bewegung teil, die sich dem Verhältnis zwischen Licht und Bewegung widmete.

1967 beteiligte er sich an Lumière et Mouvement in Paris und 1968 an Cinétisme, spectacle, environnement in Grenoble.

Diese Ausstellungen waren wichtige Stationen bei der Verbreitung der kinetischen Kunst in Europa.

1970 zeigte er seine Werke in einer Einzelausstellung in der Krebs Gallery in Bern, Schweiz.

In den folgenden Jahren stellte er weiterhin in internationalen Galerien und Institutionen aus und entwickelte neue Variationen seiner geometrischen Forschungen.

2014 präsentierte die Drawing Room Gallery eine Ausstellung seiner Kunstdrucke.

2015 richtete dieselbe Galerie Antonio Asis: Cercles Concentriques (1961–2011) aus, eine Ausstellung, die fünfzig Jahre Experimente zum Thema der konzentrischen Kreise dokumentierte.

Die Kontinuität dieser Forschung zeugt von der Fähigkeit des Künstlers, ausgehend von einer begrenzten Zahl grundlegender Elemente immer neue Lösungen zu entwickeln.

Die letzten Jahre und das künstlerische Vermächtnis

Antonio Asis arbeitete bis in die letzten Jahre seines Lebens in Paris.

Sein Schaffen bewahrte ein anhaltendes Interesse an den Beziehungen zwischen Geometrie, Licht, Farbe und Bewegung.

Auch in seinen späteren Werken finden sich konzentrische Kreise, rhythmische Strukturen und Kompositionen, die optische Schwingungen hervorrufen.

Die Entwicklung seiner Kunst beruhte nicht auf radikalen Veränderungen der Bildsprache, sondern auf einer fortlaufenden Vertiefung der Möglichkeiten, die Formen bieten.

Jede neue Komposition stellt eine Variation innerhalb eines in sich stimmigen visuellen Systems dar.

Asis starb am 30. März 2019 in Paris.

Seine Werke befinden sich in bedeutenden internationalen Sammlungen, darunter im Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía in Madrid, im Museum of Fine Arts in Houston und in weiteren Institutionen für moderne und zeitgenössische Kunst.

Sein Beitrag zur kinetischen Kunst liegt vor allem in seiner Fähigkeit, Bewegung zu einem Bestandteil des Seherlebnisses zu machen.

Die Werke von Antonio Asis zeigen, dass eine unbewegte Fläche in ständiger Veränderung begriffen erscheinen kann.

Mit Kreisen, Gittern und Farben entwickelte der Künstler eine Bildsprache, die die Betrachtenden unmittelbar einbezieht und das Verhältnis zwischen dem, was wir sehen, und dem, was sich tatsächlich vor unseren Augen befindet, infrage stellt.

Artista