PLESSI Fabrizio
Fabrizio Plessi (Reggio Emilia, 1940 – Dolo, 2026) war einer der international bedeutendsten Vertreter der Videokunst, der elektronische Technologie in ein poetisches Ausdrucksmittel zu verwandeln vermochte. Seine Installationen setzen bewegte Bilder häufig zu physischen Materialien - Holz, Stein, Eisen, architektonischen Strukturen - in Beziehung und schaffen Umgebungen, in denen Betrachter zugleich das Gewicht der Materie und die Flüssigkeit des Lichts wahrnehmen. Wasser und Feuer, wiederkehrende Elemente seines Schaffens, werden zu Bildern, die Erinnerung, Energie und Verwandlung hervorrufen können.
Venedig, das Wasser und die ersten Experimente
Plessi wurde in Venedig ausgebildet, wo er an der Akademie der Schönen Künste studierte und später lehrte, und entwickelte eine besondere Sensibilität für das Verhältnis zwischen Natur und gebautem Raum. Ende der 1960er-Jahre konzentrierte er seine Forschung zunehmend auf das Wasser und beschäftigte sich damit durch Aktionen, Filme, Fotografien und Videoexperimente. L’das Wasser war nicht nur ein Motiv, das es aufzunehmen galt: Es verkörperte ein instabiles Phänomen, das sich nicht ein für alle Mal in einem unbewegten Bild festhalten ließ.
In den 1970er-Jahren ermöglichten ihm Performances und die ersten Videobänder, Bewegung und Dauer zu erforschen. Die Aufnahmen dokumentierten Aktionen und Verwandlungen, eröffneten aber auch eine neue Möglichkeit: das elektronische Medium zu nutzen, um eine eigenständige visuelle Erfahrung zu gestalten. Der Übergang von der Malerei zur Technologie war daher kein vollständiger Bruch, sondern die Erweiterung einer Erforschung von Licht und Zeit.
Videoskulpturen und elektronische Umgebungen
Ab den 1980er-Jahren entwickelte Plessi die Videoskulpturen und Videoinstallationen zunehmend differenziert weiter. Bildschirme und Monitore wurden in materielle Strukturen integriert, die ihre Bedeutung veränderten. L’das Bild eines Wasserstroms konnte scheinbar ein Bauwerk aus Holz oder Stein durchfließen; elektronisches Feuer konnte in einem festen Gegenstand eingeschlossen erscheinen. So entstand eine Spannung zwischen dem immateriellen Charakter des leuchtenden Bildes und der Konkretheit der Träger.
Werke und Projekte wie Fließende Zeit, Barocke kathodische Bewegungen und Ex Machina zeugen von Plessis Fähigkeit, Installationen zu konzipieren, in denen Technologie, Klang und Architektur zu Teilen einer einzigen Erfahrung werden. Die spektakuläre Komponente erschöpft nicht die Bedeutung der Arbeiten: Hinter der Bewegung der Bildschirme wird eine Reflexion über das Verhältnis zwischen Natur, Künstlichkeit und kulturellem Gedächtnis erkennbar.
Zeichnung, Entwurf und kunstdrucke
Ein wichtiger Teil seiner Arbeit umfasst Zeichnungen und Skizzen, die der Konstruktion der Installationen vorausgehen oder sie begleiten. Diese Blätter sind nicht nur technische Dokumente: Oft offenbaren sie eine eigenständige kompositorische Sensibilität, geprägt von Linien, Anmerkungen, Flächen und Bildern, die eine noch im Wandel begriffene Idee sichtbar machen sollen. Die Beziehung zwischen Entwurf und ausgeführtem Werk ist besonders bedeutsam bei einer Praxis, die die Zusammenarbeit künstlerischer und technologischer Fachbereiche erfordert.
Für die korrekte Beschreibung einer Arbeit auf Papier ist es unerlässlich, zwischen Originalzeichnung, Mischtechnik, Druck in einer Auflage und Reproduktion eines Entwurfs zu unterscheiden. Ebenso ist eine Fotografie einer Installation nicht mit der Installation selbst gleichzusetzen. Signatur, Technik, etwaige Auflage und Provenienz müssen am einzelnen Exemplar überprüft werden.
Plessis’ künstlerische Forschung trug dazu bei, zu zeigen, dass elektronische Geräte zu Instrumenten der Emotion und Kontemplation werden können. Seine kunstwerke bewahren die Erinnerung an traditionelle Materialien und zeigen zugleich die Möglichkeit eines Bildes in ständiger Verwandlung: eine Begegnung zwischen der Zeit der Natur und der Zeit der Technologie.
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