FUCHS Ernst - EmporiumArt

FUCHS Ernst

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Engel, Mischwesen, visionäre Architekturen und religiöse Symbole bevölkern die Vorstellungswelt von Ernst Fuchs, einem der Begründer der Wiener Schule des Phantastischen Realismus. Das Besondere an seiner Malerei entsteht aus der Verbindung unmöglicher Bilder mit einer minutiösen Technik, die aus dem Studium der alten Meister schöpft. Renaissance, Symbolismus, Mythologie und Spiritualität werden zu Bestandteilen eines Universums, in dem jede Figur einer umfassenderen Erzählung anzugehören scheint.

Ausbildung und Phantastischer Realismus

Fuchs wurde am 13. Februar 1930 in Wien geboren. Schon in jungen Jahren zeigte er eine starke Neigung zum Zeichnen und trat 1945 in die Akademie der bildenden Künste Wien ein, wo er bei Albert Paris Gütersloh studierte. Die Ausbildung festigte sein Interesse an präziser Zeichnung, dem Aufbau der Figur und traditionellen Malverfahren. 1948 war er zusammen mit Künstlern wie Arik Brauer, Rudolf Hausner, Wolfgang Hutter und Anton Lehmden an der Gründung der Wiener Schule des Phantastischen Realismus beteiligt. Trotz unterschiedlicher Sensibilitäten teilten diese Künstler die Idee, eine präzise gegenständliche Darstellung zu nutzen, um fantastische und symbolische Visionen zu gestalten.

1949 zieht Fuchs nach Paris, baut seine Kontakte zum internationalen Kunstmilieu aus und setzt sich intensiver mit der europäischen Kunstgeschichte auseinander. Seine Bildsprache bleibt an der Spannung zwischen der äußersten Präzision der Darstellung und der visionären Natur der Motive erkennbar. Die Bilder sind keine bloßen dekorativen Fantasien: Sie entfalten sich zu Erzählungen voller kultureller und spiritueller Bezüge.

Symbole, Mythen und Maltechnik

Die religiöse Dimension durchzieht einen großen Teil seines Werks. Biblische Figuren, Engel und Bilder aus der christlichen und jüdischen Tradition stehen neben Anklängen an Alchemie, Esoterik und Mythologie. Mischwesen und verwandelte Körper bevölkern unwirkliche Räume, die jedoch mit strenger Linienführung gestaltet sind. Diese Präzision verleiht den Visionen eine beinahe greifbare Präsenz und verstärkt den Kontrast zwischen dem, was glaubhaft erscheint, und dem, was der Vorstellungskraft entspringt.

Von grundlegender Bedeutung ist die Beziehung zu den Meistern der Renaissance und zur nordischen Maltradition. Fuchs studiert die Vorzeichnung und die Lasuren, die durch das Übereinanderschichten dünner, transparenter Farbschichten entstehen. Jeder Auftrag verändert die Wahrnehmung der darunterliegenden Schichten und ermöglicht den Aufbau farblicher Tiefe und Lichtnuancen. Die Methode erfordert Geduld und Kontrolle, eignet sich aber besonders gut, um seine komplexen fantastischen Architekturen glaubwürdig darzustellen.

Radierung, Bildhauerei und Gesamtkunstwerk

L'Radierung ist ein wichtiger Bestandteil seines Schaffens. Mit der Ätzradierung entwickelt Fuchs ein Geflecht aus feinen Zeichen, fantastischen Figuren, Symbolen und äußerst komplexen architektonischen Strukturen. Zu den Themen der in seinem Werdegang erwähnten Grafikzyklen zählen Einhorn, Samson, Esther und Sphinx. Die Grafik beschränkt sich nicht darauf, Gemälde zu wiederholen: Sie ermöglicht es, die Beziehung zwischen Zeichnung, Erzählung und Symbol eigenständig zu vertiefen.

Seine Tätigkeit umfasst Bildhauerei, Bühnenbilder, Möbel und angewandte Kunst. In den 1970er-Jahren erwirbt er in Wien die Villa Otto Wagner, die er restauriert und in eine Umgebung verwandelt, in der Malerei, Bildhauerei, Dekoration und Architektur ständig miteinander in Dialog treten. L'Gebäude wird zum Ernst Fuchs Museum und veranschaulicht besonders deutlich sein Streben nach einer Kunst, die alle Aspekte des gelebten Raums einbezieht.

Fuchs stellt in zahlreichen Ländern aus und trägt zur internationalen Verbreitung des Phantastischen Realismus bei. Dabei hält er eine komplexe figurative Tradition in einer Zeit lebendig, die auch von abstrakten und konzeptuellen Strömungen geprägt ist. Er stirbt am 9. November 2015 in Wien. Sein Vermächtnis besteht darin, die Beherrschung alter Techniken in ein Mittel zur Darstellung einer zutiefst persönlichen Welt verwandelt zu haben, in der das Sichtbare und das Symbolische untrennbar bleiben.

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